Das Neue Dresden

60er Jahre Architektur: geometrische Kästen, Stapelung von Wohneinheiten

70er Jahre Architektur: Plattenbauten, Provisorien, Spannbeton, sozialer Wohnungsbau

80er Jahre Architektur: Ost-Postmoderne, weniger Masse, Revitalisierung des Zentrums

 
 


Marienstrasse und Antonsplatz: Nähe Postplatz / Aufnahme: Dez. 2003 TK. Die blauen und orangenen Plattenbauten stammen von 1965. 2011 wurden sie saniert. Foto, Foto 2



Leere Plattenbauten am Straßburger Platz (früher Julius-Fucik-Platz) vor Teilabriss und Umbau- Februar 04. Der hintere südliche Zehngeschosser ist inwischen (Dezember 04) mit farbiger Fröhlichkeit saniert. Bilder der neuen "StrassBURG" von Ende 2004)

 


Punkthochhäuser in Plattenbauweise, Zellescher Weg/ Wundtstraße, am Beginn der Sanierung - (Aufnahme: Februar 04)
Bauzeit: 1969- 71. Architekten: Gunnar Hartmann, Horst Burggraf (Städtebau) / Peter Schramm und Kollektiv (Projekt), 15 geschossige Hochhausgruppe, markanter städtebaulicher Akzent im Süden der Stadt. 6 Häuser mit ehemals 3180 Betten. 2004 erfolgte eine Sanierung, wobei jedes Haus ein eigenes neues Design erhielt.

 


Ehemaliges Fernmelde-Technikhaus der DDR an der Freiberger Straße/ Postplatz.
Bauzeit: (1978-1981). Kein Plattenbau, sondern errichtet im Deckenhub-Verfahren (am Boden vorgefertigte Stahlbetonplatten wurden mit Hydraulikpressen nach oben gezogen).
Die Treppenkerne entstanden im Gleitschalungsverfahren. Foto, Foto2, Foto3 (Fotos: 2011)
Eine gesamte Etage war zum Abhören von Telefongesprächen für die Stasi reserviert. Es ist nur der 1. Bauabschnitt realisiert worden, der Bau sollte erheblich größer werden.
Das Gebäude ist ein sehr seltenes Beispiel für die in Dresden angewendete Lift-Slab- Bauweise.
Aufnahme: April 04
Das Fernmeldehaus wird 2016 abgerissen. Danach errichtet die CG-Gruppe aus Berlin dort ein Wohngebäude, die "MaryAnn Apartments"

Ein Kommentar in "Der Architekt" BDA: "Das Letzte seiner Art" vom 16.09.2015
Infos auch hier: www.sosbrutalism.org





Produkt der autogerechten Stadt: Fußgängertunnel unterm Pirnaischen Platz, gebaut 1970. (Aufnahme: April 2005) Nach einem Brand ist die Unterführung 2006 geschlossen worden.
Im Vordergrund sind einige nach 89 temporär eingebauten Läden wieder entfernt worden.

 


Spätkauf-Baracke gegenüber dem Zwinger (Postplatz), errichtet 1956. Das als temporäre Architektur gedachte Provisorium stand fast 50 Jahre. Im Juli 2005 ist es mit dem beliebten Biergarten ersatzlos abgerissen worden. - Aufnahme: Oktober 03



Stadtmarketing a la DDR: Die Werbe-Reklame aus den 70ern blinkte ehemals abwechselnd mit farbigen Neonblumen. Darunter  befand sich das Terrassengeschoss mit Ateliers.
Die Fertigteile hatten eine Meissner Keramikplattenverkleidung. Foto: April 2005
Wohnbebauung Freibergerstraße (10-geschossige Hochhäuser) 1962 - 64. Städtebau: Helmut Hommel, Kurt Röthig. Entwurf: Heinrich Rettig, Manfred Gruber, Rolf Ermisch und Kollektiv. 2014/15 wurden drei Hochhäuser von der USD saniert, die ablesebare Plattenbaustruktur verschwand dabei völlig. Fotos nach der Umgestaltung. Die markante Stadtwerbung auf dem Dach blieb durch Bürgerengagement erhalten: Infos auf facebook

 


Technikhäuschen an der Bushaltestelle Zellescher Weg - Februar 04

 


V- Betonstützenträger an einer Plattenbauzeile in Johannstadt (Florian-Geyer-Str) - Nov.05 /
Das Wohngebiet Johannstadt entstand 1969 - 71. Architekt war: Udo Fehrmann (Städtebau) und Siegmar Schreiber & Horst Linge. Beim 2. Abschnitt (1972-75) kamen die gleichen Kompelxarchitekten und Kurt Röthig (Städtebau) zum Einsatz.

 


Elbschaufassade des Technikhäuschens im Wasserwerk Hosterwitz (nähe Pillnitz an der Elbe) - Juni 04 - 2005 ist die Beton-Fassade künstlerisch grün bemalt worden, so daß die ursprüngliche Reliefstrukur stark in den Hintergrund rückt. Unter anderem ist das DREWAG-Logo (Strom, Fernwärme, Gas und Wasser) zu sehen.

 


Originelle Betonreliefmauern an den Plattenbauten Prager Straße Nord als Freiraumgestaltung um 1985, Foto: Nov. 2012

 


Die an japanische Holzfenster erinnernde Loggia an der Stirnseite des inzwischen sanierten Plattenbaus "Carolinum" an der Petersburger Straße - wie flexibel der Bautstoff Beton einsetzbar ist ! - Foto: Oktober 07

 


Dresden Prohlis - Plattenbaubezirk von 1975-77 - im Bild: bisher noch nicht saniertes Hochhaus am Albert-Wolf Platz. Erdgeschosszone mit originalen orangefarbenen Platten + Werbetypographie im abstrahierten Jugendstil und 70er Jahre-Moderne, Juni 04





Prohlis: Ensemble von vier dreistrahligen Sternhäusern. Alle 10-stöckigen Wohngebäude sind inzwischen abgerissen worden. (Bild: Heinrich-Mann-Straße), April 05'
Wohngebiet Prohlis: Architekten waren: Heinz Michalk, Udo Fehrmann, Konrad Lässig (Städtebau) / Gerhard Landgraf, Ingeborg Lampadius (Komplexarchitekten)

 


Eine Einzelplatte am 10-Geschosser in Prohlis an der Kurt-Tucholsky-Strasse, April 05




Dresden Prohlis - Wandbild "Familie" vom Dresdner Künstler Siegfried Schade an einer Stirnseite des Wohnblocks Elsterwerdaer Straße 1 (nahe dem "Prohlis Zentrum"), Foto: Juni 2004, Foto 2 (Gesamtansicht der Ecklösung)

Der ganze Block (Elsterwerdaer Straße 1 bis 7) wurde im Zuge des "Umbau Ost" von der zuständigen Woba Dresden im Herbst 2004 abgerissen. Als Ersatz entstand eine Grünfläche. Ein kleiner Schaukasten erinnert an das Kunstwerk.
Das Wandbild, seit 2004 unter Denkmalschutz stehend, wurde abgenommen und in Omsewitz eingelagert. Was damit geschieht, ist unklar. Das Museum für Dresdner Stadtgeschichte wäre sicher ein idealer Aufstellungsort für einen Teil der bemalten Platten, ebenso das Plattenbaumuseum in Johannstadt. 2014 wurde von der Freien Akademie Kunst+Bau ein künstlerischer Wettbewerb ausgeschrieben. 2015 kürte die Jury 5 Preisträger.


Polizeianbau (Oktober 2003) - kurz vor dem Abriss. Der Erweiterungsbau des ehemaligen "Volkspolizei-Kreisamtes" wurde 1976 bis 1979 von Günter Fischer, Manfred Fasold und Kollektiv errichtet. Weitere Fotos von diesem Gebäude

 


Bürogebäude gegenüber Bahnhof Dresden Mitte, Foto: Mai 2010, Vergrößerung
Das Bürogebäude wird 2017 abgerissen. An seiner Stelle baut der Münchner Investor Christoph Dross das Projekt "Kö 25" - umgesetzt vom Berliner Architekturbüro Nöfer.
Es entstehen 500 Wohnungen und Büros. Infos unter DNN vom 09.März 2015



Gästehaus Schloß Ekberg
Bettenhaus des ehemaligen Jugendtouristenhotels im Schloßpark Ekberg - gebaut 1986- 87 vom Kollektiv Manfred Zumpe, als typisches Beispiel der gegenüber Westdeutschland deutlich ernsthafteren Ost-Postmoderne. (Aufnahme 2003)


Mitte Achziger Jahre: Neue Wohnhäuser am dreieckigen Bönischplatz in DD-Johannstadt: Abkehr vom Massenwohnungsbau, Hinwendung zur Platzgestaltung in Fortführung vorhandener Altbauten der Vorkriegszeit (rechts im Bild). Differenzierte Dachlandschaft in Schiefer, Sockelzone in Sandsteinverkleidung, Geschäfte und Dienstleistung im EG/ Aufnahme Dezember 2004 nach Sanierung.



Theaterwerkstätten an der Ostraallee, 1980-83 gebaut, Planung ab 1978, von Torsten Gustavs und Eberhard Pfau in individueller Plattenbau-Konstruktion mit einer speziell entwickelten "Krepp-Papier-Technik" für die Fassade, Foto: 2011 TK / Foto 2 und Foto 3 2014, Infos auf: www.pfauarchitekten.de / Das Gebäude erhielt den Architekturpreis der DDR 1983.

 


Studentenwohnheim Wundtstraße 7, 1969 bis 1971 gebaut, 2008-09 saniert. Foto: 09/2012
Im Vordergrund: Bronze-Plastik "Studentensport" von Helmut Heinze und Wilhelm Landgraf von 1973, eine der schönsten und dynmischsten Großplastiken der 1970er Jahre in Dresden.

 

Literaturtipps:

Christoph Bernhardt, Thomas Wolfes (Hrsg.): Schönheit und Typenprojektierung: der DDR-Städtebau im internationalen Kontext, Erkner 2005.

Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden, Frankfurt a. Main 1965

"Die Städte aber werden nicht ansprechender werden, bevor wir nicht über sie mit Leidenschaft nachgedacht haben." A.Mitscherlich

Filmtipp:

"Die Architekten", Spielfilm - Defa (DDR), 1990, Regie: Peter Kahane.
Dieser äußerst interessante Spielfilm aus den letzten Tagen der DDR vor Maueröffnung zeigt das Scheitern einer politischen Utopie. Das Mißlingen der Umsetzung eines lebendigen Stadtteilzentrums für den Berliner Plattenbau-bezirk Marzahn wird mit einem generellen Scheitern des sozialistischen Städtebauideals in Verbindung gebracht. Prädikat: sehr sehenswert !"

Linktipps:

www.jeder-qm-du.de
Das Portal für Plattenliebhaber und alle, die es werden wollen.
Ein in jeder Hinsicht anregende Webseite rund um Geschichte und Zukunft des Plattenbaus.
Die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH hat aufgrund ihres Plattenbaubestandes ein großes Interesse an allen kulturellen Entwicklungen und Perspektiven rund um die Platte.



Alle Fotografien © 2003- 12, Thomas Kantschew

 

 


DDR-Restaurantreklame in Dresden, Foto: August 2011 TK