Zurück in die Zukunft
Der Dresdner Fernsehturm - eine wieder erwachte Legende

 

Architekten: Kurt Novotny & Johannes Braune
Tragwerksplanung: Hermann Ruehle & Kurt Macher
Bauzeit: 1964 - 1969
Adresse: Oberwachwitzer Weg 37
Stadt Dresden: www.dresden.de/fernsehturm
Verein: www.VereinFernsehturmDresden.de
Generalplanung der Sanierung: seit 2023 www.phase-10.de (Freiberg)


Neues:

Der Dresdner Stadtrat hat die Gelder für den Fernsehturm am 5. März 2026 bewilligt und stimmte mit breiter Mehrheit für die Freigabe des städtischen Finanzierungsanteils (rund 7,9 Millionen Euro) sowie für das dazugehörige verkehrliche Maßnahmenpaket.

Oktober 2025
"Die Landeshauptstadt Dresden plant gemeinsam mit Partnern, den Fernsehturm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt steht die Idee, einen modernen Erlebnis- und Begegnungsort zu schaffen - mit weiten Blick auf die Stadt und ihre Geschichte(n).
Geplant sind Panoramaplattform, Gastronomie, interaktive Ausstellungen zur Technik-, Stadt- und Mediengeschichte, ein barrierefreies Erschließungskonzept und die Erhaltung des Sendebetriebes für Rundfunk, Fernsehen und Mobilfunk.
Der Fernsehturm soll wieder ein Ort werden, den man gern besucht, erlebt und mitgestaltet. Als Symbol für Zusammenhalt, Aufbruch und Weitblick bietet er
Platz für Begegnungen, Kultur und neue Ideen"
Text: Landeshauptstadt Dresden


Dresdner Fernsehturm soll wiedereröffnet werden

Der Bund stellt 12,8 Millionen Euro als Denkmalförderung bereit. Land und Stadt wollen sich an der Sanierung beteiligen.
Sächische Zeitung vom 08.11.2018


Wir wollen den Dresdner Fernsehturm wieder als touristisches Ausflugsziel für unsere Region

Online-Petiton
(aktiv bis 05.05.2015)
Ergebnis: 23.033 Unterstützende 

"Wir fordern die Politik des Freistaates Sachsen auf, dieses Ziel zu unterstützen und dafür mit der Stadt Dresden sowie der Telekom, als Eigentümerin des Funkturmes, nach Lösungen zu suchen.
Begründung: Wir möchten dem 252 m "langen Kerl" wieder Leben einhauchen. Immerhin ist er der zweithöchste Fernsehturm in Ostdeutschland, ein technisches Denkmal und gehört einfach zum Dresdner Stadtbild sowie zu unserem Freistaat dazu."

Im Namen aller Unterzeichner/innen. Dresden, 06.11.2014


Ein denkmalgeschütztes Gebäude

1969, als die DDR nach dem Mauerbau wirtschaftlich und politisch eine gewisse Stärkung nach innen und außen erfuhr, demonstrierte die Staatsführung auch anhand von ehrgeizigen Bauprojekten ihre vermeintliche Souveränität.
Der Berliner Fernsehturm (1969), das Leipziger Unihochhaus (1971), der Jenaer Uniturm (1973) sind nur die bekanntesten Beispiele für jenes neue Selbstbewusstsein des "ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden". Auch in der drittgrößten Industriestadt der DDR, der Bezirksstadt Dresden, sollte dieser neue vorwärtsweisende Geist nachhaltig demonstriert werden.
Natürlich stehen solche Funktürme auch für den damaligen Fortschrittsoptimismus einer noch ungebrochenen Nachkriegsmoderne - in Ost- wie Westdeutschland.
Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, weil es "bau- und technikgeschichtlich bedeutend und eines der größten Bauwerke dieser Art in Deutschland" sei.


Himmelstürmende Eleganz

Gebaut mit hohem Anspruch - futuristisch, stolz und elegant ragt die schlanke Nadel des Turms 252 Meter in die Höhe. Ein Sektkelch hätte den Architekten Kurt Novotny zu dieser Form angeregt, hieß es damals in den Zeitungen.
Dieses Gebäude auf den Wachwitzer Höhen nahm keine Rücksicht auf die bürgerliche Villenbebauung im benachbarten Loschwitz. Ganz im Gegenteil sollte es die Überlegenheit des sozialistischen Gesellschaftssystems repräsentieren und einen kühnen Blick in die Zukunft werfen. Doch der Standort war geschickt gewählt. Weit ab vom Stadtzentrum und doch auf einer der höchsten Stellen des Stadtgebietes gelegen bot er einen idealen Standort, das Funktionale mit dem Ästhetischen zu verbinden und sich gleichsam in die Landschaft einzugliedern.
Im Gegensatz zu manch anderen Betonbauten aus den 1960er und -70er Jahren löst der Fernsehturm bei vielen Dresdnern Sympathie aus. Er ist zu einer ins Weichbild eingegangenen Landmarke geworden, die von allen umliegenden Bergen gut zu erkennen ist und trotz oder gerade wegen ihrer gewagten herausragenden Höhe durchaus Akzeptanz findet.


Konstruktion

Der Dresdner Fernsehturm ist 252 Meter hoch, hat einen Schaftdurchmesser von 21 Metern und ein Gesamtgewicht von rund 7300 Tonnen. Dieses Gewicht ist im festen Lausitzer Granit des Elbhanggesteins gegründet. Sie besteht aus einem 6 m tiefen Stahlbeton-Ringfundament.
Der Elbhang ist starken, unregelmäßigen Winden und Aufwinden ausgesetzt. Ein starrer Turm würde bei Orkanen brechen. Hermann Rühle kalkulierte die Elastizität des Stahlbetons so, dass der Turm schwingen durfte (theoretisch bis zu einem Meter).

Hermann Rühle

Der Tragwerksplaner Hermann Rühle war ein weltweit anerkannter Experte für Schalen- und Betonbauweisen; seine mathematischen Näherungsverfahren für Flächentragwerke waren wegweisend. An der TU Dresden betreute Prof. Rühle u.a. die wegweisende Diplomarbeit des späteren „Schalenkönigs“ Ulrich Müther über „Hyperbolische Paraboloidschalen “.
Für die Konstruktion des Dresdner Fernsehturms konsultierte Rühle den berühmten Brücken- und Turmbau-Ingenieur Fritz Leonhardt (Erbauer des Stuttgarter Fernsehturms, Fertigstellung 1956), um sich wertvolle Ratschläge für den Bau des Betonschafts zu holen.

Das Turmbauwerk des Dresdner Turms besteht, so Kulturdenkmal Freistaat Sachsen, in den unteren zwei Dritteln aus einer monolithischen Stahlbetonkonstruktion, den oberen Abschluss bildet ein Antennenträger aus glasfaserverstärktem Kunststoff.
Der Dresdner Fernsehturm ist ein Paradebeispiel dafür, wie Schalenbau- Leichtbauprinzipien auf ein vertikales Großbauwerk angewendet wurden, um maximale Eleganz bei minimalem Materialeinsatz zu erreichen, ein Meisterwerk Dresdner Ingenieurbaukunst der 1960er Jahre!

Weitere technische Details zum Fernsehturm in Dresden Wachwitz beim VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik Informationstechnik e.V.): www.vde.com


Erhabenes Panorama auf ein Kulturerbe von Weltrang

Der Fernsehturm in Dresden war vor der Epochenzäsur 1989 ein beliebtes Ausflugsziel - zwei Café-Geschosse in rund 150 Meter Höhe versprachen eine gute Rundumsicht, sofern der Dunst des Elbtals es zuließ. Von den Tafelbergen der Sächsischen Schweiz über die Höhenzüge des Erzgebirges bis hin zu den Weinbergen Radebeuls konnte der Blick die leicht bewegte sächsische Landschaft umfassen. Nicht umsonst wurde der Fernsehturm als besondere Sehenswürdigkeit in den touristischen Prospekten aufgelistet und von vielen als Wahrzeichen des modernen Dresdens empfunden. Auch er gehört mittlerweile unverzichtbar in die "gewachsene Symbiose von Stadt, Kultur und Landschaft im Elbtal" (Kulturleitbild Dresdens). Aus erhöhter Perspektive machte der Tower erst den vielfältigen landschaftlichen Reichtum des Weltkulturerbes Dresdner Elbtal sichtbar, das die UNESCO-Welterbekommision am 2. Juli 2004 in den Rang einer Welterbestätte geadelt hatte. Auch wenn dieser Status im Juni 2009 wegen Streitigkeiten um den Bau der Waldschlösschenbrücke wieder aberkannt wurde, bleibt die exklusive Besonderheit einer herausragenden Kulturlandschaft.
Interessant auch: vorgesehen war, am Fuß des
Fern-Seh-Turms ein zusätzliches Restaurant zu errichten mit 250 Plätzen und 300 Freisitzplätzen. Diese Planungen wurden nicht umgesetzt.

Leider wurde der Fernsehturm aus finanziellen Gründen, wie viele andere TV-Türme (z.B. Turm am Kyfhäuser), Anfang der 1990er Jahre von der deutschen Telekom geschlossen. Die Firma nutzt die technischen Anlagen mit dem Sendemast für ihre Übertragung.

Im November 2004 gründete sich der Verein
Freundeskreis Fernsehturm Dresden
zur Wiederbelebung der ehemals jedem zugänglichen Aussichtsetagen.
"Eine breite Unterstützung ist gefragt", heißt es in dem Rundschreiben von Diplomingenieur Eberhard Mittag als Vorsitzender des Vereins, mit dem der Freundeskreis einfache Dresdner, aber auch Firmen, Künstler und Politiker für das Projekt gewinnen will. Gedacht ist beispielsweise an Stifterbriefe, um den Telespargel sanieren und damit wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. (DNN, 19.11.2004)


Zivilgesellschaftliches Engagement

www.VereinFernsehturmDresden.de

Bitte stärken Sie durch eine Mitgliedschaft diesen Verein, damit der Turm auch in Zukunft wieder allen Dresdnern und Gästen der Elbestadt zugänglich ist ! Mit nur 12 Euro Jahresbeitrag könnten auch Sie ein Zeichen für moderne Baukultur und landschaftlichen Respekt, der sich besonders von dieser Höhe erschließt, setzen.

Online Petition:
Wir wollen den Dresdner Fernsehturm wieder als touristisches Ausflugsziel!
https://www.openpetition.de/petition/online/wir-wollen-den-dresdner-fernsehturm-wieder-als-touristisches-ausflugsziel

13.08.2013 bis 12.02.2014
Ergebnis: 11 642 Unterzeichner



Dresdner Fernsehturm - 1968 im BauBlick vom Fernsehturm (Januar 2004), von Eberhard Mittag
Blick vom Dresdner Fernsehturm
(Januar 2004), von Eberhard Mittag




Grundriss: 2-geschossiges Turmcafé -
132 Plätze






Modell Fernsehturm von 2018, gebaut von der Dresdner Firma Die Macher. Das Modell steht seit Herbst 2025 neben dem Dresdner Stadtmodell im 1. OG des neuen Stadtforums. Foto: T.Kantschew 2025, Vergrößerung, Gesamte Ansicht


Fernsehturm-Café, zeitgenössische Postkarte


Virtueller 360° Rundgang Fernsehturm Dresden mit spektakulären Ein- und Rundumblicken im Inneren und auf der Besucherplattform: www.360-grad-sachsen.de/panos/fernsehturm-dresden
Interaktive Panorama-Bilder vom heutigen Zustand des Dresdner Fernsehturms, angefertigt vom MDR - Mitteldeutscher Rundfunk / MDR Sachsen 2019



  Zukunft

Deutsche Funkturm meldete am 23.06.2021:

Dresdner Fernsehturm wird zur Erlebnis-Plattform für Besucher

• Neue Betreiber: Avantgarde, DDV Mediengruppe und
  Dresden Information
• Besucher erwartet eine Erlebnis-Plattform und Zeitmaschine
• Fernsehturm als Medienstandort, Wahrzeichen und
  Ausflugsziel für Dresden

Die neuen Betreiber des Dresdner Fernsehturms stehen fest. Die Fernsehturm Dresden GmbH, hinter der die Unternehmen Avantgarde, DDV Mediengruppe und Dresden Information stehen, laden zukünftig zu Zeitreise und Erlebnisbesuch mit einzigartigem Blick auf das Elbtal und Dresden ein. (...)
Der Bund unterstützt das etwa 25,6 Millionen teure Projekt mit Fördermitteln in Höhe von ca. 12,8 Millionen Euro. Das ist die Hälfte der avisierten Revitalisierungskosten. Die andere Hälfte wird zu gleichen Teilen von jeweils 6,4 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden bereitgestellt. Die Fernsehturm Dresden GmbH hat angekündigt, ebenfalls einen Millionenbetrag in den Innenausbau zu investieren.

Die Pressemitteilung vollständig: www.dfmg.de


Liste der höchsten Fernsehtürme:
https://de.wikipedia.org
An 68. Stelle steht der Fernsehturm in Dresden.

z.B. in Rotterdam (www.euromast.nl),
Stuttgart (www.fernsehturm-stuttgart.com)
Riga (http://www.tvtornis.lv)

2012 vorzüglich sanierter TV-Tower in Tallinn/ Estland: www.teletorn.ee/de/



Text: Thomas Kantschew 2004 und spätere Ergänzungen

 
Modell des Fernsehturms mit großzügigen Einrichtungen am Gebäudesockel, Foto 1966 Deutsche Fotothek