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Private Sternwarte "Weiße Kugel"
1969: |
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Diese moderne Sternwarte im Garten von Manfred von Ardennes Privatvilla ist mit ihrer markanten Kugelform eine außergewöhnliche Kleinarchitektur von überregionalem Wert. Als Solitär exponiert an der Hangkante errichtet, komplett freistehend, ist die leuchtend weiße Kugel unübersehbarer Teil des Loschwitzer Elbhangs. In ihrer skulpturalen Ästhetik ähnelt sie einer futuristischen Raumkapsel. Der Bau stellt damit ein herausragendes Beispiel der ostdeutschen Space-Age-Architektur jener Zeit dar. Zudem war und ist die Kugel ein Statement für Fortschrittsglauben und Wissenschafts-begeisterung. Sie fungierte in ihrer Modernität als Aushängeschild für das größte private Forschungszentrum innerhalb des ehemaligen Ostblocks. In seiner Autobiographie berichtete von Ardenne über die beiden Sternwarten in seinem Institut: Die Sternwarte Plattleite 27 und Zeppelinstraße 7 Ende 1956 ließ ich auf dem Institutsgelände an der Plattleite eine kleine Sternwarte mit drehbarer 4-m-Kuppel errichten, in der ein aus der Sowjetunion mit zurückgebrachter 20-cm-Zeiss-Refraktor aufgestellt wurde. Zehn Jahre später kam dann die in der Zeppelinstraße 7 am Elbhang gelegene größere Sternwarte mit 7-m-Kuppel und 25-cm-Zeiss-Refraktor hinzu, die vorzugsweise wissenschaftlichen Aufgaben diente. Die Betrachtung von Planeten, Kugelsternhaufen und der größeren Nebelflecke in Teleskopen dieser Abmessungen ist einer der besten Wege, um dem Menschen die gewaltigen Maßstäbe des Kosmos naher zu bringen und ihn innere Bescheidenheit zu lehren. (1) |
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![]() Sternwarte am Elbhang, Foto: TK März 2026, Vergrößerung ![]() Sternwarte von der Gartenterrasse aus, Foto: TK März 2026, Vergrößerung |
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![]() Sternwarte vom Arbeitszimmer der Villa aus gesehen, Ihre Plastizität kommt von dieser Perspektive besonders zur Geltung. Foto: T. Kantschew, März 2026, Vergrößerung |
![]() Sternwarte mit der halbseitig spiralförmigen Treppe an der Nordseite. In der Mitte der Kugel die Spaltöffnung für das Teleskop. Foto: TK März 2026, Vergrößerung |
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![]() Die Betontreppe der Sternwarte, halb Aussichtsgeschoss, halb Spiraltreppe um den Schaft. Foto: TK März 2026, Vergrößerung ![]() Das Aussichtsgeschoss der Sternwarte mit dem weiten Panoramablick ins Elbtal. Foto: TK 2026, Vergrößerung |
![]() Sternwarte Südseite mit Aussichtsplattform, Foto: TK 2026, Vergrößerung |
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Entstehung der Sternwarte 1968 -69 1960 zog die Familie Ardenne in die größere Villa Meissner, 1912 von Lossow & Kühne direkt am Elbhang errichtet. Der Wissenschaftler Ardenne wollte wieder eine Sternwarte ganz in der Nähe seines neuen Wohnhauses und beauftragte den Architekten Bauer und den Statiker Prof. Rühle mit der Konzeption. Als kompletter Solitärbau sollte das technische Bauwerk bessere Bedingungen erhalten, um den nächtlichen Sternenhimmel optimal studieren zu können. Ardenne war schon seit seiner Jugend begeistert von Astronomie und dem Betrachten des Universums. Bereits als junger Mann baute er in seinem Institut in Berlin Lichterfelde eine erste eigene Sternwarte. (Foto 1931 von der Ardenne-Sternwarte). Das Teleskop, wie alle technischen Geräte, wurden 1945 von den Sowjets mitsamt dem Wissenschaftler, seiner Familie und seiner Mitarbeiter in die UdSSR geschafft. 1955 kam das Gerät nach Deutschland zurück und ist als historisches Teleskop noch heute in der alten Ardenne-Sternwarte an der Plattleite zu bewundern. (2) Die ältere Sternwarte von 1956 war und ist für das breite Publikum und Schulbesuche geöffnet. Buchungen: https://sternwarte-dresden.de |
![]() Sternwarte mit der Wohnvilla, Foto: TK 2026, Vergrößerung |
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Architektur - Konstruktion 1969 im Jahr der Mondlandung wächst in den geteilten politischen Sphären von Ost und West eine starke Weltraumbegeisterung. Das sogenannte Space Age hinterlässt seine Spuren auch in Dresden. Nur wenige Kilometer entfernt vom Ardenne Institut entsteht der Dresdner Fernsehturm in Sichtweite, an dem ebenfalls der Ingenieur Prof. Hermann Rühle als Statiker beteiligt ist. Bei der privaten Sternwarte entscheidet sich Rühle, um eine möglichst schwingungsfreie Standfläche des empfindlichen Teleskopes zu gewährleisten, dass die Stahlbetonsäule, auf der das Teleskop steht, separat errichtet wird. Die Kugel darüber mit ihrem Boden ist somit mechanisch entkoppelt von der baulichen Umgebungskonstruktion. So übertragen sich Schritte von Personen im Raum nicht auf das Instrument, sondern werden kegelförmig über die Außenkonstruktion abgeleitet. Durch den schlanken hohen Sockelschaft wird die Kugel deutlich günstiger vertikal positioniert, um das Teleskop über die Baumwipfel auszurichten. Für die Betrachter unten im Elbtal stellt sich der Eindruck ein, die Kugel "schwebe" sozusagen auf dem Betonsockel, was aber eben ganz praktische Gründe hat. Zur Kuppel gelangt man über die elegante Außentreppe, die das Funktionale mit dem spektakulären Ausblick verbindet. Zum Norden zu dreht sich die Treppe als Halbspirale um den Schaft und nach Süden zum Elbtal bietet sie eine vertikale ruhige Aussichtsetage. Durch eine Bodenklappe gelangt man in den Kuppelraum. Das Kugelmaterial selbst besteht aus Kunststoff, versetzt mit Epoxidharz (3). Der Rest der Konstruktion, der Spaltöffnung mitsamt Zahngetriebe und weiterer Einzelteile ist aus Stahl. Die im Durchmesser sieben Meter breite Kuppel kann 360° gedreht werden, damit das Teleskop in alle Himmelsrichtungen positioniert werden kann. Die verschließbare Spaltöffnung öffnet sich mittels einer Zahnradvorrichtung, die noch im Original funktioniert. Die relativ schmale Öffnung, manchmal auch als Visier bezeichnet, hat u.a. die Aufgabe die Einflüsse von Wind, Staub und Lichtsmog auf den Innenraum der Sternwarte zu minimieren. |
![]() Zwei Treppen führen in die Kuppel der Sternwarte, Foto: TK 2026, Vergrößerung ![]() Die Spaltöffnung setzt sich mittels Zahnräder in Bewegung. Foto: TK 2026, Vergrößerung ![]() Am Teleskop der Sternwarte angebrachtes Firmenlogo von Carl Zeiss Jena von 1968. |
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![]() Sternwarte Innenraum der Kuppel mit dem 3,20 m langen Teleskop von der Firma Carl Zeiss Jena. Foto: TK 2026, In der Vergrößerung sind Teile des maßgefertigten Interieurs zu sehen, wie z.B. der gebogene Einbauschrank und die runden Tische. |
![]() Das 25cm-Teleskop. Gut zu erkennen die Fuge am Boden des auf dem separaten Pfeiler-Fundament stehenden Gerätes. Foto: TK 2026, Vergrößerung |
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Geologie: Lausitzer Granit
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Landschaftsarchitektur: Werner Bauch
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Sanierung
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Literatur / Quellen (1) Manfred von Ardenne: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung. Autobiographie. Verlag der Nation Berlin, Ostberlin 1972, 6. Auflage 1982, S.236 (2) Jürgen Helfricht: Liebhaberastronom Manfred von Ardenne. In: Astronomiegeschichte Dresdens Hellerau-Verlag, Dresden 2001 (3) Ardenne Privat-Archiv - Bauakten zu dieser Sternwarte (4) DDR-Architekturzeitschrift DA 5/1965 und 25 Fotografien im Nachlass Prof. Werner Bauch. Universitätsarchiv der TU Dresden (5) Der Begriff Landschaftsarchitektur wurde vom Nachfolger Werner Bauchs: Prof. Harald Linke eingeführt. Siehe: Nachruf Landschaftsarchitekt Prof. Dr. Harald Linke. 18.04.2024 https://tu-dresden.de Text und Fotos: Thomas Kantschew, April 2026 Mit freundlicher Genehmigung von Thomas von Ardenne |
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